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20.8.-30.8.2020: CHRISTOPH SCHLINGENSIEF - DIE GRAZER AKTIONEN – ERINNERUNGEN, KONTEXTE, GEGENWART

Beginn:
20.08.2020
Ende:
30.08.2020
Hinweis:
Eröffnung: Do, 20.08., 18:00, im Hauptraum des Forum Stadtpark
Ort:
Forum Stadtpark
Stadtpark 1
8010  Graz
Tel: +43 316 827734
E-Mail: info@forumstadtpark.at
Web: http://www.forumstadtpark.at/
Veranstalter:
STEIRISCHE GESELLSCHAFT FÜR KULTURPOLITIK in Kooperation mit FORUM STADTPARK und INSTITUT FÜR KUNST IM ÖFFENTLICHEN RAUM STEIERMARK.
Ausstellungsmaterialien © Claudia Gerhäusser
Ausstellungsmaterialien
© Claudia Gerhäusser

Im Oktober hätte Christoph Schlingensief seinen 60. Geburtstag gefeiert, wäre er nicht 2010 viel zu früh verstorben. Nun fällt nicht nur sein runder Geburtstag in diesen Herbst, sondern auch sein 10. Todestag.

Aus diesem Anlass versammelt das Forum Stadtpark mit Archivmaterialien, Fotos und Filmen  Erinnerungen an Schlingensiefs Grazer Aktionen zwischen 1995 und 2008 und stellt ihnen ausgewählte Projekte aktueller Künstler*innen in Gesprächen, Performances, Videos und Objekten gegenüber.

Mit Beiträgen, Fotos, Materialien, Filmen, Werken und Performances von Christoph Schlingensief, Bettina Böhler, Jan Böhmermann, Didi Bruckmayr, Sibylle Dahrendorf, Die Vielen, Manfred Erjautz, Elisabeth Fiedler, Bernhard Fleischmann, Jana Franze, Christine Frisinghelli, Hermann Glettler, Elke und Udo Havekost, Ed Hauswirth, Werner Krause, Claus Philipp, PlanetenPartyPrinzip, HC Playner, Paul Poet, Katharina Purtscher, Oliver Ressler, Jörg Schlick, Franz Solar, Gerhild Steinbuch, Kinga Tóth, Raul Walch, Patrick Wurzwallner.


Pressestimmen:

21. August 2020, Kleine Zeitung online, Teresa Guggenberger: Externe Verknüpfung "Forum Stadtpark | Christoph Schlingensief: Ausstellung eröffnet in Graz"

25. August 2020, Salzburger Nachrichten online: Externe Verknüpfung "Forum Stadtpark feiert das Werk Christoph Schlingensiefs"

26. August 2020, Der Standard online, Colette M. Schmidt: Externe Verknüpfung "Erinnerungen und Spuren vom Kosmos Schlingensief im Forum Stadtpark"



Programm

Ausstellung 21. - 30. August
täglich geöffnet von 14.00 - 19.00 und während der Veranstaltungen

Eintritt frei!

Donnerstag, 20. August 2020

18.00 Uhr
Ausstellungseröffnung
durch Heidrun Primas & Martin Baasch

19.00 Uhr
Leseperformance Gerhild Steinbuch & Bernhard Fleischmann
im Anschluss Live-Aktion Die Vielen

21.00 Uhr
DJ Ed Hauswirth


Freitag, 21. August 2020

18.00 Uhr:
Die Grazer Aktionen - Erinnerungen, Weggefährt*innen und Skandale
Gespräch mit Christine Frisinghelli (Intendantin steirischer herbst, 1996 - 1999),
Werner Krause (freier Journalist), Claus Philipp (Autor/Dramaturg) und Franz Solar (Schauspieler).          

20.00 Uhr
Christoph Schlingensief - Ins Schweigen hineinschreie

Vorab-Präsentation von Ausschnitten des neuesten Dokumentarfilms von Bettina Böhler
(offizieller österreichischer Filmstart im Rahmen der Viennale im Oktober 2020)

 

Samstag, 22. August 2020

18.00 Uhr:
Mit Herz und Faust und ZwinkerZwinker - politischer Aktivismus, Medienspektakel und öffentlicher Raum
Gespräch mit Elisabeth Fiedler (KiöR Steiermark), Jana Franze (Künstlerhaus Graz - Halle für Kunst &  Medien), Paul Poet (Filmemacher), Oliver Ressler (Künstler), Raul Walch und Gerhild Steinbuch (Die Vielen).

20.00 Uhr:
Ausländer Raus! Schlingensiefs Container
Dokumentarfilm von Paul Poet

 

Sonntag, 23. August 2020

18.00 Uhr:
Fear is the Answer - Angst, Scheitern und eine Kirche der metaphysischen Obdachlosigkeit
Gespräch mit Manfred Erjautz (Künstler), Hermann Glettler (Bischof von Innsbruck) und Katharina Purtscher (Traumatherapeutin).

Dienstag, 25. August 2020 

20.00 Uhr:
Knistern der Zeit - Christoph Schlingensief und sein Operndorf in Burkina Faso
Dokumentarfilm von Sibylle Dahrendorf           


Freitag, 28. August 2020

ab 16.00 bis 20.00 Uhr:
Non Stop 5000 One on One-Performances des PlanetenPartyPrinzip
Mehr als 20 Filme hat Christoph Schlingensief als Regisseur produziert. Das Planetenparty Prinzip erzählt 5 dieser Filme direkt, leidenschaftlich, in intimer Atmosphäre. Reservierungen ab 20.08. unter +43 677 62 42 19 89 - Filmvorführungen starten jede volle Stunde - pro Führung maximal 2 Personen.

21.00 Uhr:
Grazer Impro Klub-Session mit Patrick Wurzwallner
feat.: Kinga Tóth, Didi Bruckmay
Wir rammen uns in den Boden und bilden ein starkes Fundament.


Samstag, 29. August 2020

ab 14.00 bis 20.00 Uhr:
Non Stop 5000 One on One-Performances des PlanetenPartyPrinzip


Sonntag, 30. August 2020

11.00 Uhr:
Farewell - gemeinsamer Ausklang

DIE GRAZER AKTIONEN

Schlingensiefs Theaterinszenierungen, Filme und Aktionen im öffentlichen Raum haben sich tief in die Erinnerung der Städte eingeschrieben in denen er gearbeitet hat - so auch in Graz. Ob in der Neuen Galerie, im Schauspielhaus Graz oder im öffentlichen Raum, sie waren Kristallisationspunkte für Theater, Museen und Festivals und zugleich Bewährungsproben für Intendant*innen, Produktionsteams und nicht zuletzt Politiker*innen sämtlicher Couleur.

Graz hat die Arbeiten von Christoph Schlingensief gefeiert und gehasst, kritisiert und verteidigt, bejubelt und angezeigt. Er hat die Stadt und ihre Menschen herausgefordert und zwar nicht nur ein kleines, erlesenes Kultur-Publikum, sondern die Stadtgesellschaft als Ganzes. Mit unbeirrbarem Instinkt arbeitete Christoph Schlingensief die schwelenden Konflikte und wunden Punkte der Zeit heraus. Ironie, Camouflage, (Über-)Affirmation und Provokation waren die, stets aufs Neue raffiniert variierten Mittel der Wahl, um der Gesellschaft einen Spiegel vorzuhalten. Ein genaues Gespür für die Wirkungsmechanismen von Populismus und Medien war seinen Inszenierungen genauso eigen, wie die kindliche Freude an provokanten Gesten und großen, ambivalenten Bildräumen. Aber jenseits des grellen Spektakels suchte er immer auch das Gespräch mit den Menschen und machte dabei keinen Unterschied zwischen der Meinung eines Kulturstadtrats oder eines Wohnsitzlosen.

1995    „Hurra Jesus! Ein Hochkampf" - Schauspielhaus Graz
„Hurra Jesus! Ein Hochkampf" war Christoph Schlingensiefs erste Arbeit für Graz. Im Rahmen des steirische herbst 1995 brachte er eine katholische Messe der besonderen Art auf die Bühne des Schauspielhaus Graz. Schlingensief entwickelte zusammen mit seinem Team und zahlreichen Grazer Schauspieler*innen und Akteur*innen (darunter erstmals Mario Garzaner als Jesus) ein Abend zwischen Passionsspiel und Sinnsuche. In nur sechs Wochen Probenzeit entstand ein dichter Abend über Schuld und Vergebung, Gewalt und Katharsis. Trotz gespaltener Kritiken wurde der Abend zum Stadtgespräch und Publikumserfolg. Gefragt, ob er als guter Katholik, mit seinen Filmen und Theaterproduktionen in gewisser Weise auch beichte, antwortete Schlingensief: "Ja, natürlich. Ich versündige mich pausenlos gegen meine kleinbürgerliche Erziehung zu Ordnung, Sauberkeit und Anstand. Ich habe immer ein schlechtes Gewissen."

1998    „7 Tage Entsorgung für Graz / Künstler gegen Menschenrechte / Internationales Sandler-Pfahlsitzen" - Grazer Innenstadt

Im März 1998 initiierte Christoph Schlingensief die Gründung der Partei Chance 2000, „ein überkonfessionelles, künstlerisches, politisches Bündnis - eine postcaritative Hilfsorganisation für Menschen, die aus der Gesellschaft herausgefallen sind." Im Herbst erreichte der Chance 2000-Wahlkampfbus Graz, nachdem Schlingensief kurz zuvor alle 6 Millionen Arbeitslose zum Baden an den Wolfgangsee eingeladen hatte. Am Eisernen Tor in Graz veranstaltete er unter dem Titel „Künstler gegen Menschenrechte" das erste internationale Sandler-Pfahlsitzen. Sechs Tage lang wurde um die Wette gesessen, diskutiert, gestritten und täglich unter dem Motto „Rettet die Marktwirtschaft, schmeißt das Geld weg" 20-Schillingscheine von einer Hebebühne über den Passant*innen abgeworfen. Vom Eisernen Tor aus unternahm Christoph Schlingensief zudem täglich Spaziergänge in die Grazer Innenstadt und mehrmals zur Geschäftsstelle der FPÖ am Griesplatz.

2000    „Freiheit für alles - internationaler Kameradschaftsabend" - Schauspielhaus Graz
Im Rahmen des Theaterabends „Schnitzler´s Brain" inszenierte Christoph Schlingensief als einer von sechs Regisseuren (u.a. auch Johann Kresnik und Martin Kušej) ein Kurzstück mit dem Titel „Freiheit für alles - internationaler Kameradschaftsabend". Schlingensiefs Part begann mit einem Chor Grazer Bürger*innen unterschiedlicher Herkunft, die mit gereckter Faust minutenlang den Satz „Tötet Wolfgang Schüssel" skandierten, was prompt zu einer Anzeige wegen Aufforderung zu einer strafbaren Handlung führte. Im Laufe des Abends vermischte Schlingensief Fernsehshow-Elemente mit Jean-Luc Godard-Parodien, Größenwahn, Medienhype, Jörg Haider-Doubles und diversen Anspielungen auf die erste schwarz-blaue Regierung in Wien.

2008    „African Twintowers" - Neue Galerie Graz
Zuletzt war Christoph Schlingensief 2008 in Graz zu Gast und präsentierte in der Neuen Galerie auf 18 Bildschirmen die Videoinstallation „The African Twintowers", zusammengestellt aus mehreren hundert Stunden Filmmaterial, das er 2005 in Lüderitz, Namibia, gedreht hatte. „Ein Versuch", wie er sagte „sich einer deutschen Gegenwart mit kolonialer Vergangenheit zu nähern", durchzogen von der Musik Patti Smiths‘ und mit vereinzelten Texten von Elfriede Jelinek. „The African Twintowers" wurde nie zu einem Film im klassischen Sinne geschnitten, auch wenn Christoph Schlingensief das Material noch mehrfach bearbeitete. Es wurde vielmehr ein Film, der keiner mehr ist und auch nicht mehr sein wollte, gefangen im eigenen Paralleluniversum, der rote Faden gekappt, ohne übliche Narration oder Bildabfolge, gleichzeitig auf 18 Monitoren. Bei der Ausstellungseröffnung in der Neuen Galerie sprach er unter anderem darüber  „wie die Bilder eigentlich funktionieren, wenn man selbst nicht mehr da ist."
Es war der letzte Besuch Schlingensiefs in Graz.

NICHT REALISMUS SONDERN REALITÄT

Fast allen Filmen, Theaterprojekten und Aktionen Christoph Schlingensiefs war die Suche nach Grenzüberschreitung und dem Einbruch von Wirklichkeit eigen. Der dezidierte Versuch die Grenzen der Kunst zu überspannen bis die Wirklichkeit reagieren musste, und sei es nur in Form von öffentlichen Distanzierungen und Strafanzeigen. Ob „Chance 2000", „Church of Fear" oder „Operndorf Afrika", ob „Tötet Wolfgang Schüssel" oder „Ausländer Raus!" es ging immer um eine aktive Einmischung in gesellschaftliche Diskussionen. „Es geht nicht um Realismus, sondern um Realität", wie es der damalige Intendant der Berliner Volksbühne Frank Castorf formulierte. Schlingensief begnügte sich nicht mit der Nachahmung der Verhältnisse, sondern machte die Mechanismen von Populismus, Ausgrenzung, Angst und Überforderung zum Mittelpunkt seiner Projekte.

Schlingensiefs Aktionismus, seine Energie und seine subtilen Kampfansagen an Politik, Medien und Kunstbetrieb sind bis heute Referenzpunkte für viele zeitgenössische Künstler*innen und Aktivist*innen. Wo liegen die Parallelen zu heutigen Arbeitsweisen von Künstler*innen wie Jan Böhmermann, der Burschenschaft Hysteria, Oliver Ressler, dem Institut für Politische Schönheit, Die Vielen oder Milo Rau - und was unterscheidet sie? Welche Ästhetiken und Formate verwenden die Künstler*Innen heute, um in politische Debatten einzugreifen?

Externe Verknüpfung www.schlingensief.com

Projektleitung: Martin Baasch & Heidrun Primas
Ausstellungsarchitektur: Claudia Gerhäusser
Videobearbeitung: Uli Reiterer
Organisation: Roland Schwarz
Technische Leitung: Arne Glöckner & Sebastian Schröck
Grafik: Clara Wildberger
Pressearbeit: Roland Schwarz

Ein Projekt in Kooperation mit FORUM STADTPARK und INSTITUT FÜR KUNST IM ÖFFENTLICHEN RAUM STEIERMARK.

gefördert durch:
STADT GRAZ
LAND STEIERMARK

mit freundlicher Unterstützung von:
STEIRISCHER HERBST
SCHAUSPIELHAUS GRAZ
BÜHNEN GRAZ
FILMGALERIE 451
ORF STEIERMARK

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