Link zur Startseite

Die Steirische Gesellschaft für Kulturpolitik in Zeiten Coronas: Das transnationale Dorf der Änderungswilligen

Beginn:
16.04.2020
Ende:
16.04.2020
Mona Lisa in Zeiten Coronas 
Mona Lisa in Zeiten Coronas

Die Globalisierung ist ein wichtiger Veränderungsfaktor in der Kulturgeschichte und zeitgenössischen Kunst. Im Jahr 2020 haben wir einen intensiven internationalen Austausch mit Künstler*innen aus Theater- und Musik Genres geplant u.a. mit unserem Nachbarn Kroatien und der Kulturhauptstadt Rijeka.

Aber auch außerhalb Europas haben wir ein mittlerweile freundschaftliches Netzwerk z.B. in Nicaragua, Iran, Kuba etabliert. Dieses Netzwerk hat zum Ziel, die Welt für alle Menschen zu einer besseren und friedlicheren zu machen. Mit den Mitteln der zeitgenössischen Kunst und Kultur können wir so regional, national, europaweit und international auf gesellschaftliche und politische Missstände hinweisen.

Aber nun grenzt uns dieses Virus ein!

Viele Maßnahmen, die die österreichische Regierung gesetzt hat, sind richtig. Die Selbstisolation, um uns gegenseitig vor dem Virus zu schützen, ist ein starkes Zeichen von Solidarität und eines für unsere Zivilgesellschaft. Dieses weltweite „Einigeln" lässt allerdings auch Raum für ein Wiedererstarken von Nationalismen.

Es ist wichtig und darauf gilt es besonders zu achten, dass was für Waren und Wirtschaft gilt auch so rasch wie möglich wieder für alle Menschen in Europa, aber auch weltweit wieder Gültigkeit hat: Reisefreiheit und offene Grenzen!

Wir, die Steirische Gesellschaft für Kulturpolitik gehen in dieser Zeit intensiv der Frage nach, wie sich unsere Gesellschaft nach Corona gestalten wird? Wie werden wir miteinander leben und im Alltag agieren? Dass das neoliberale System vermutlich gescheitert ist, zeigt sich. Doch wie werden wir unser System - dazu gehört selbstverständlich auch die wirtschaftliche Grundlage - führen?

Schlagwörter wie „slow down", „Entschleunigung" und „bewusster Leben" schallen dieser Tage durch Fernseher und Radio in unseren Wohnbereich. Für mache Mitmenschen ist das Virus in der Tat eine Möglichkeit aus dem „Hamsterrad" zu entkommen, doch ein Großteil der Bevölkerung wird unter Zwang und unterm Siegel der Solidarität auf die Probe gestellt und es wird eine Zweiklassengesellschaft evoziert. Jobverluste, Missbräuche und die über den Dingen stehende Unsicherheit sind die Folgen - wie soll man bei diesen existenzbedrohenden Veränderungen aus dem „Hamsterrad" fliehen?

Besonders im Bereich der Kultur und Kunst sind Menschen von den Maßnahmen und Folgen des Virus betroffen. Zuviel ist aus jetziger Sicht noch unklar: Gibt es auch ein Hilfspaket für Kulturvereine? Und wie sollen Kulturarbeiter*innen und Künstler*innen ihre Existenz sichern, wenn das Veranstaltungsverbot bis Ende Juni 2020 beschlossen wurde, jedoch die Kurzarbeit maximal für drei Monate gilt? Etwaige daraus resultierende Traumata, gilt es aufzuarbeiten. Und die Frage nach einem gerechteren, gleichgestellten Gesellschaftssystem wird lauter.

Fakt ist, dass die Krise als Chance genutzt werden muss! Schlägt sich die Arbeit dervielzitierten Held*innen des Alltags nicht nur in einer temporären Hebung ihrer sozialen Stellung, sondern vor allem auch in einem entsprechenden Entgelt nieder? Finden auch endlich andere Formen von Partnerschaften und Lebensmodellen, anstelle des tradierten Familienbilds, Einzug in die Gesellschaft und im Weiteren auch in die Politik?

Das wesentlichste Merkmal von Kultur ist, dass der Mensch ein soziales Wesen ist: Wir wachsen am gemeinsamen Agieren in den unterschiedlichen Räumen (Arbeitsumfeld, Freund*innen-Umfeld, privates Umfeld) und stiften dadurch individuelle Identitäten und kreieren Symbole. Durch die Corona-Krise wurden wir jedoch separiert und manche Menschen exkludiert.

Die „virtuelle Welt" stellt derzeit noch einen Unort dar, der weder lokal, global nochglokal zuordbar ist.Dieser Ort bringt jedoch ein kulturelles Potenzial mit sich, welches es zu ergründen gilt. Es wird sich in Zukunft weisen, ob die medientheoretischen Ansätze der 1960er Jahre sich hin zu einer Ferngesellschaft im grenzüberschreitenden Raum des „globalen Dorfs" entwickeln und das WIR neu definiert wird.

Es ist jedoch klar spürbar, dass Kunst nicht einfach in den virtuellen Raum verlegt werden kann, denn es fehlt der soziale Austausch im Kollektiv. Wir brauchen einander, um so aus dem vollen Wert der Kultur schöpfen zu können.

All diese Fragen und Themen, die zu einem neuen kulturellen Dasein führen und mittels zeitgenössischer Kunst aufgearbeitet werden, beschäftigen uns und diesen wollen wir auch nachgehen. Wir gehen immer auf aktuelle gesellschaftliche Veränderungen ein, deshalb kann und wird es sein, dass sich Programmteile ändern und dafür neue entstehen werden. Aufgrund der COVID-19-Maßnahmengesetz sind wir nicht nur bestrebt, Projekte digital zu veranstalten und alternative Präsentationsformen zu finden, sondern tun dies bereits. Wir sind im engen Austausch mit vielen regionalen, nationale und internationalen Künstler*innen.

Und wir freuen uns, wenn wir im Herbst starten können. Wir werden jedoch nicht allein starten. Wir als Kulturszene müssen uns besonders solidarisch zeigen und auch gemeinsam wieder in einen normalisierten Rhythmus eines womöglich neuen Kulturbetriebs einsteigen, um auch verschärftes Konkurrenzdenken zu verhindern.

Kocuvan/Schiestl April 2020

War diese Information für Sie nützlich?

Danke für Ihre Bewertung. Jeder Beitrag kann nur einmal bewertet werden.

Die durchschnittliche Bewertung dieses Beitrages liegt bei ( Bewertungen).