Zur Startseite
 
Projekte. Positionen. Perspektiven

Kultur-Diskurse

Kultur hat Konjunktur. Das symbolische Kapital, das der positiv besetzte Begriff in sich birgt, macht Kultur auch für den Wirtschaftsbereich immer attraktiver. Häufig endet der Kulturbegriff, aus ökonomischer Perspektive betrachtet, allerdings dort, wo Unbequemes benannt, keine Mehrheit erreicht und kein Marketingerfolg erzielt wird.

Theoretische Reflexion und Diskussion über Kultur in erweitertem Sinne nehmen einen übergeordneten Stellenwert in der Programmgestaltung der GKP ein. Fast ein Drittel aller seit 1977 geförderten bzw. initiierten Projekte widmete sich auf wissenschaftlich fundierte Weise aktuellen gesellschaftlichen, kulturellen und kulturpolitischen Fragestellungen.


Abseits vom Mainstream

Wir leben in einem Zeitalter der Events. Für Kunst- und Kulturproduktionen abseits vom Mainstream da zu sein, ist ein wichtiges Anliegen der Steirischen Gesellschaft für Kulturpolitik. Weg vom Oberflächlichem und Massentauglichem, hin zu sinnstiftenden Veranstaltungen, bei denen der Inhalt wichtiger ist als Zuschauerzahlen und Statistiken. Weil der Wohlstand eines Landes oft an den kulturellen Leistungen der Gesellschaft gemessen wird, sehen sich Politiker gern als Ermöglicher und benutzen Kunst und Kultur als Aushängeschild. - Nur, dass es sich dabei in den meisten Fällen um Kultur- und Kunst-Großprojekte handelt. Medien und Politiker stürzen sich auf solche Formate, in der Hoffnung, eine breite Öffentlichkeit zu erreichen und um gelesen, gehört und wahrgenommen zu werden.


Menschen.gerecht

Den Menschen als Maßstab sozialen, kulturellen und politischen Handelns zu setzen, lässt sich als Grundintention zahlreicher von der GKP initiierter bzw. geförderter Projekte erkennen. "Mit Leidenschaft, Veramtwortungsgefühl und rationalem Augenmaß", wie der Titel einer Publikation über den jahrelangen Vorsitzenden der GKP, Landesrat a.D. Dr. Christoph Klauser, lautet, gilt es eine breite Palette an künstlerischen, kultur- und bildungspolitischen Projekten zu ermöglichen, die - den Menschen im Visier - "Voraussetzungen zum Handeln und zum Nachdenken anbieten" (Herbert Nichols-Schweiger). Die Suche nach möglichen Wegen zu einer gerechten Gesellschaft ohne Ausgrenzung und Marginalisierung scheinen im GKP-Programm ebenso auf wie Umweltthemen oder Fragen nach einer menschengerechten Gestaltung der gebauten Welt.


Arbeit - Elend - Utopie

Kultur ist, wie der Mensch lebt und arbeitet. Einem erweiterten Kulturbegriff verpflichtet, widmet sich die GKP in ihrem Programm regelmäßig einer der grundlegendsten menschlichen Tätigkeiten - der Arbeit. In Fotoausstellungen dokumentiert oder in Symposien diskutiert werden Ursachen und Folgen von Arbeitslosigkeit einst und jetzt - ebenso wie die zentrale Funktion von Arbeit als Identitätsfaktor oder der Stellenwert von Arbeit im Wandel der Zeit.


Warum Krieg?

"Alles, was die Kulturentwicklung fördert, arbeitet auch gegen den Krieg.", schreibt Sigmund Freud in seinem berühmten Briefwechsel mit Albert Einstein im Jahr 1932. Seitdem wurden weltweit die menschenverachtendsten Kriege geführt, und der Glaube an kulturelle Entwicklung als Motor für Frieden und Gerechtigkeit ist grundlegend in Frage gestellt - man denke nur an Adornos Zweifel, dass "nach Auschwitz" Kultur weiterhin als Möglichkeit betrachtet werden kann, Menschen zu ergreifen und zu verändern. Auschwitz hat "das Misslingen der Kultur unwiderleglich bewiesen. Dass es geschehen konnte inmitten aller Tradition der Philosophie, der Kunst und der aufklärenden Wissenschaften, sagt mehr als nur, dass diese, der Geist, es nicht vermochte, die Menschen zu ergreifen und zu verändern." (T. W. Adorno, Negative Dialektik, Meditationen zur Metaphysik)

Die Hoffnung auf ein friedvolles Miteinander durch Aneignung von historischem Wissen, Konfrontation mit überlieferten Realitäten und reflexives Erinnern lebt im Programm der GKP weiter. Die theoretische und künstlerische Aufarbeitung des Faschismus sowie kriegerischer Ereignisse in Vergangenheit und Gegenwart wendet sich dezidiert wider das Vergessen.


Grenzgänge

Die geografische Lage an der Grenze nach Südosteuropa prägt bis heute das Selbstverständnis der Steiermark in politischer wie kultureller Hinsicht. Der Fall des "Eisernen Vorhangs", die Kriegsereignisse im ehemaligen Jugoslawien sowie der Beitritt Österreichs zur Europäischen Union verstärkten das Bedürfnis, sich intensiv dem Thema "Grenze" zu widmen. Der interessierte Blick in andere Länder - auch weit über die Nachbargrenzen hinaus - ist einerseits von einer grundlegenden Sehnsucht nach Weite und Ferne getragen. Andererseits zeugt er von einem Problembewusstsein, das den Abbau unsichtbarer Barrieren zwischen Nachbarn und Nationen anstrebt, nationale Identitäten zur Diskussion stellt, Austausch und Anregungen begehrt und bietet.

Die GKP gestaltet diesen Reflexionsprozess durch die Förderung und Veranstaltung wissenschaftlicher Projekte mit, die in den vergangenen 25 Jahren auch in Kooperation mit dem Bund Sozialdemokratischer AkademikerInnen Steiermark und/oder dem Dr.-Karl-Renner-Institut durchgeführt wurden.


Nahe Fremde

"Fremdenangst - Fremdensucht" benennt Herbert Nichols-Schweiger einen zentralen Themenkreis, der sich dem ambivalenten Umgang mit dem Fremden zwischen Rassismus und Exotismus widmet. Das Andere scheint uns solange begehrenswert, solange es uns nicht zu nahe kommt oder wir ihm umgehend den Rücken zuwenden können. Bereits Anfang der 80er Jahre hat sich die GKP diesen nach wie vor höchst brisanten Fragen gewidmet und sie initiiert bis heute regelmäßig Anlässe, die zum Nachdenken über die Beziehung zwischen dem Eigenen und dem Fremden anregen und Strategien gegen Rassismus, Xenophobie und Antisemitismus fordern und entwerfen.


Global - Lokal - Glokal

Der schillernde Begriff der Globalisierung will uns "the world as a single place" schmackhaft machen: ohne Grenzen, ohne Unterschiede, ohne lokale Eigenheiten. Doch, so beobachten KulturwissenschaftlerInnen, die nivellierenden Tendenzen der Globalisierung bringen gerade auch das Lokale im Sinne einer umfassenden Identitäts- und Sinnsuche neu hervor. "Glokalisierung" nennen ExpertInnen diese Entwicklungen, die ein Überdenken der herkömmlichen Zentrum-Perpherie-Beziehung notwendig machen. Die Regionen setzen dabei einerseits auf verstärkte Inszenierung von historischen Werten und Traditionen. Andererseits orientieren sich regionale Initiativen verstärkt an internationalen Themen und Konzepten, um sich zwischen global und lokal, eben glokal, zu positionieren. Die GKP fördert seit ihrem Bestehen gezielt und konsequent zahlreiche zeitgenössische Kulturinitiativen, die im lokalen Kontext verschiedener steirischer Regionen wirken und diesen bewusst mit zeitgenössischen, internationalen Strömungen konfrontieren.


Gläserne Barrieren

Gender Studies oder Geschlechterforschung nennt sich jener wissenschaftliche Fachbereich, der sich als Ausdifferenzierung bzw. Erweiterung der Frauenforschung entwickelt hat und mittlerweile an beinahe allen Universitäten etabliert ist. Das Konzept der Gender Studies basiert auf der grundlegenden Unterscheidung zwischen "sex", dem biologischen Geschlecht, und "gender", dem gesellschaftlich konstruierten Geschlecht, und fokussiert soziale Rollenmuster, Machtverteilung, Identität,... von weiblichem wie männlichen Geschlecht.

 


Gesellschaftskritisch

Kulturarbeit in Nischen ist notwendig, um kulturelle Vielfalt zu fördern. Projekte, die abseits von Produktionen mit lauter medialer Resonanz stattfinden, entstehen meist mit relativ geringem finanziellem Aufwand, erfordern dafür von den ProtagonistInnen umso mehr an Engagement, Idealismus und Eigeninitiative. Gesellschaftskritische Projekte oder solche mit stark experimentellem Charakter finden oft wenig Anklang bei potenziellen Subventionsgebern. Vorhaben dieser Art hat die GKP immer wieder finanziell und ideell (mit)getragen, sodass auch abseits des Mainstreams eine Reihe von Musik-, Theater- und Tanzproduktionen vor allem steirischer KünstlerInnnen bzw. steirischer Institutionen realisiert werden konnten. Auch im Bereich der Bildenden Kunst und der Wissenschaft unterstützte die GKP immer wieder Kulturschaffende mit einer oft unkonventionellen, wenn nicht unbequemen Haltung gegenüber etablierten Strukturen und Stereotypen.