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Das wichtigste und beeindruckendste Ereignis der steirischen Kultur in den vergangenen 25 Jahren
Marianne Egger de Campo

Das wichtigste und beeindruckendste Ereignis der steirischen Kultur in den vergangenen 25 Jahren ist für mich - die ich mich zumindest an 17 Jahre des angesprochenen Zeitraumes erinnern kann (davor lebte ich noch nicht in Graz und meine Wahrnehmung des steirischen Kulturgeschehens, das sich im Wesentlichen doch in der Landeshauptstadt abspielt, beschränkte sich weitgehend auf Medienberichte) - der Steirische Herbst 1988. Das Motto war 1938/1988.
Die Installation des Projekts BEZUGSPUNKTE 38/88 (Konzept: Werner Fenz), die an verschiedensten Orten der Stadt an den "Anschluss" und die Nazi-Zeit erinnerten, berührten mich ungemein. Es war für mich schaurig, durch die Herrengasse zu blicken und Hans Haackes Rekonstruktion der "Siegessäule" am Eisernen Tor zu sehen. Etwas paradox fand ich dann den Brandanschlag der (Neo?)Nazis auf diese Nachbildung eines Symbols ihrer Ideologie: Stießen sie sich an der Ideologie ihrer Werte als billig hergestellte Kulisse im öffentlichen Raum; war Nazisein damals noch eine im Verborgenen zelebrierte Privatsache?
Der ästhetische Höhepunkt jener Kulturwochen ist für mich jedoch die Klanginstallation Bill Fontanas am Schloßberg. Es war ungemein schön, an einem nebligen Herbstmorgen im Hörsaal in der Mariengasse (damals war die Grazer Soziologie noch disloziert in einem Gebäude des Marienklosters untergebracht) zu sitzen und von weitem die Nebelhörner San Franciscos zu hören. Fontana stieß damit im provinziellen Graz ein akustisches Fenster zur Welt auf - für alle, die es hören wollten.


Marianne Egger de Campo, Mag. Dr.
geb. 1966 in Feldbach, Studium der Soziologie an der Karl-Franzens-Universität Graz. 1992 - 1998: Assistentin am Insitut für Soziologie. 1997 - 1999: Erwin-Schrödinger-Forschungsstipendium an der University of California Santa Barbara/USA. Seit 1999 Sozialforscherin: Compass, Institut für Sozialforschug, Graz. Koordinatorin des EU-Forschungsprojektes (FP5, Quality of Life) CARMA - Care for the Aged at Risk of Marginalization. 1986 - 1997: Politische Tätigkeit in der Jungen Generation der SPÖ, 1993 - 1997: Gemeinderätin der Stadt Graz